Was uns unsere Reise in den Libanon gezeigt hat

Diesen Oktober besuchte ich mit einer Borderfree-Delegation unsere Projekte im Libanon und führte Gespräche mit Menschen, Behörden und Hilfsorganisationen. Zurückgekehrt sind wir mit unvergesslichen Eindrücken, neuen Ideen und erfreulichen Nachrichten aus unserer Schule und den medizinischen Projekten.
Neue Projektideen lassen sich nur schwer aus der fernen Schweiz entwickeln. Davon bin ich überzeugt. Deshalb bin ich Anfang Oktober gemeinsam mit unserer Fundraiserin Adriana Hefti und unserem Vorstandsmitglied Eduard Tschan in den Libanon gereist.
Wir wollten mit den Menschen vor Ort sprechen, ihre Bedürfnisse besser verstehen und gemeinsam mit lokalen Organisationen und Behörden herausfinden, wo unsere Hilfe besonders gebraucht wird.
Für Adriana war es der erste Besuch unserer Projekte im Libanon. «Die Gerüche wahrzunehmen und mit den Menschen in den Camps zu reden, ist dann halt doch noch einmal etwas anderes, als sich Fotos und Videos anzuschauen», erzählt sie.
Besonders gefreut hat sie sich darüber, unseren Projektkoordinator Nassib endlich persönlich kennenzulernen. Bis dahin hatten die beiden nur über WhatsApp miteinander kommuniziert. Und nun sass sie plötzlich mit seiner Familie am Mittagstisch.
Auch Eduard hat Familie im Libanon. Er hat viele Jahre für eine internationale medizinische Organisation vor Ort gearbeitet und kennt die Verhältnisse gut. Bereits bei seinem letzten Besuch vor zwei Jahren war die wirtschaftliche Lage schwierig. Seither hat sich die Situation für viele Menschen weiter verschlechtert. «Ich habe gesehen, wie schwierig es ist, über die Runden zu kommen», erzählt er. Und das betrifft längst nicht nur geflüchtete Menschen aus Syrien, sondern auch viele libanesische Familien, die sich Lebensmittel und medizinische Behandlungen kaum noch leisten können.
Unsere Schule wächst weiter
Besonders viel hat sich in den vergangenen Monaten bei unserer Schule in der Bekaa-Ebene getan. Inzwischen besuchen rund 200 Kinder unseren Unterricht. Fünf Lehrerinnen unterrichten in zwei Schichten Arabisch, Englisch und Mathematik.
Wir haben die bestehende Infrastruktur renoviert, neue Möbel angeschafft und bei unserem Besuch 200 Schultaschen an die Kinder verteilt.
Doch der Platz reicht noch immer nicht aus. Deshalb bauen wir die Schule weiter aus. Zwei zusätzliche Räume sollen mehr Platz für den Unterricht und weitere Angebote schaffen.
Für die Kinder ist die Schule weit mehr als ein Ort zum Lernen. In den Camps gibt es kaum Möglichkeiten zum Spielen. In unserer Schule können die Kinder Freundschaften schliessen, basteln, spielen und für einige Stunden ihren schwierigen Alltag hinter sich lassen.
Wie sehr sie das schätzen, sehen wir jeden Morgen: Viele warten bereits vor Unterrichtsbeginn voller Vorfreude auf ihre Lehrerinnen.
Einblicke in den Schulalltag (Fotos von Adriana Hefti)
Neue Möglichkeiten für unsere Zahnärztin
Auch aus unserer Zahnklinik gibt es erfreuliche Nachrichten!
Bisher konnte unsere Zahnärztin Sarah hauptsächlich Füllungen machen und Zähne ziehen. Für Wurzelbehandlungen fehlte ihr ein Röntgengerät. Patient:innen, die eine solche Behandlung brauchten, musste sie deshalb an andere Kliniken verweisen.
Das Problem: Die meisten können sich eine Behandlung dort schlicht nicht leisten. Ihre Zähne blieben unbehandelt.
Dank einer grosszügigen Spende einer Schweizer Firma konnten wir nun ein mobiles Röntgengerät anschaffen. Damit kann Sarah endlich auch Wurzelbehandlungen durchführen und noch mehr Menschen direkt in unserer Praxis helfen. Bereits heute behandelt sie täglich etwa acht bis neun Patient:innen.
Medizinische Hilfe direkt in den Camps
Weiterhin im Einsatz ist auch unsere mobile medizinische Klinik. Unser Arzt fährt damit regelmässig in Camps und libanesische Dörfer, wo viele Menschen nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.
Er untersucht Patient:innen, gibt die nötigsten Medikamente ab und erkennt Erkrankungen, die weiter behandelt werden müssen. Bei Bedarf bringen wir die Menschen zu Spezialist:innen oder übernehmen die Kosten notwendiger Operationen.
Unsere mobile Klinik ist damit für viele Menschen nicht nur die erste, sondern oft auch die einzige Anlaufstelle, wenn sie medizinische Hilfe brauchen.
Wie geht es weiter?
Auf unserer Reise wurde uns einmal mehr bewusst, wie gross der Bedarf an medizinischer Versorgung im Libanon ist. Deshalb haben wir auch viele Gespräche mit Ministerien, Hilfsorganisationen und Kliniken vor Ort geführt.
Wir wollen herausfinden, wo Versorgungslücken bestehen und wie wir mit unseren Erfahrungen und bestehenden Partnerschaften dazu beitragen können, sie zu schliessen.
Besonders in der Zahnmedizin, aber auch in der Betreuung kranker Menschen zu Hause wollen wir unsere Arbeit vor Ort weiterentwickeln.
Noch stehen wir am Anfang. Doch wir sind mit vielen Ideen, wertvollen Kontakten und neuen Perspektiven aus dem Libanon zurückgekehrt. Nun geht es darum, gemeinsam mit unseren Partner:innen die nächsten Schritte zu planen und herauszufinden, was wir tatsächlich umsetzen können.
Ich freue mich darauf, euch bald mehr darüber zu erzählen.
Gemeinsam sind wir Borderfree.
Herzlich,
Vanja




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