«Miss Vanja, wann geht es los?» – Unsere neue Schule im Libanon ist offen
160 Kinder, vier Lehrerinnen, zwei Schichten – und bereits eine Warteliste: Mitte August haben wir in der Bekaa-Ebene eine neue Schule eröffnet. Das Interesse ist riesig, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.

Kurz bevor wir die Türen offiziell öffnen, gibt es vor der Schule kaum noch ein Durchkommen.
Kinder sind aus dem ganzen Camp hergeströmt. Man versteht sein eigenes Wort kaum noch. Alle wollen hinein. Wollen mit eigenen Augen sehen, was aus den Räumen geworden ist, die wir vor wenigen Wochen übernommen und gemeinsam eingerichtet haben.
Dabei fing die Vorfreude schon viel früher an.
Als wir Tische und Stühle heranschafften, Schulmaterial auspackten, einen Wassertank installierten und die Räume für den Unterricht vorbereiteten, waren die Kinder bereits zur Stelle. Sie wollten nicht nur zuschauen. Zehn Kinder schleppten gemeinsam zwei Stühle. Andere halfen beim Auspacken und Verteilen. Wo immer es etwas zu tun gab, waren kleine Hände zur Stelle.
Und immer wieder dieselbe Frage:
«Miss Vanja, wann geht es los? Wir wollen lernen!»
Mehr als Englisch, Arabisch und Mathematik
Seit Mitte August haben wir in der Bekaa-Ebene einen festen Ort für unsere Bildungsarbeit: fünf Räume, darunter ein Lehrerinnenzimmer, und einen eigenen Schulhof.
Vier Lehrerinnen unterrichten hier Kinder zwischen sieben und 14 Jahren. Von Montag bis Freitag. Weil inzwischen so viele Kinder kommen, findet der Unterricht in zwei Schichten statt.
Auf dem Stundenplan stehen Englisch, Arabisch und Mathematik. Doch dabei bleibt es nicht.
Die Kinder lesen Geschichten. Sie zeichnen und basteln. Sie spielen miteinander. Sie lernen, sich zu konzentrieren, mit anderen zusammenzuarbeiten und finden einen Ort, an dem sie auch einmal zur Ruhe kommen können.
Manche Kinder übernehmen früh Verantwortung für ihre Familien. Vanja begegnet im Camp Kindern, die bei der Arbeit ihrer Eltern helfen oder selbst versuchen, etwas zum Familieneinkommen beizutragen.
In der Schule soll für einige Stunden etwas anderes im Mittelpunkt stehen.
Hier dürfen sie lernen. Spielen. Neugierig sein. Und einfach Kind sein.

160 Kinder – und weitere warten
Ursprünglich hatten wir mit deutlich weniger Kindern gerechnet. Doch die Nachricht von der neuen Schule verbreitete sich schnell.
Heute sind 160 Kinder eingeschrieben. Mehr als 80 Kinder können unsere vier Lehrerinnen und die vorhandenen Räume derzeit kaum aufnehmen. Deshalb wird bereits in zwei Schichten unterrichtet.
Und trotzdem kommen weitere Anfragen. Inzwischen gibt es eine Warteliste.
Lehrerin Batoul beschreibt, was sie im Arbeitsalltag besonders bewegt:
«Es macht mich sehr glücklich, zu sehen, wie die Kinder zur Schule kommen, lernen und Fortschritte machen. Besonders schön ist es, zu erleben, wie sie anfangen zu lesen und zu schreiben und beim Lernen immer sicherer werden.»
Gerade diese Entwicklung macht deutlich, weshalb wir den neuen Standort nicht einfach nur eröffnet haben und nun so weiterführen können wie geplant.
Die Schule wächst. Und mit ihr wächst der Bedarf.
160 Kinder brauchen Hefte, Stifte, Bücher und altersgerechtes Lernmaterial. Jedes Kind benötigt einen eigenen Schulsack. Gleichzeitig brauchen die Lehrerinnen genügend Material und Platz, um mit den verschiedenen Alters- und Lerngruppen arbeiten zu können.
Die Lehrerinnen haben bereits den nächsten Schritt im Blick
Die Idee kam direkt aus dem Team vor Ort. Malak, eine der vier Lehrerinnen, schlug vor, den Raum, den wir für die Volunteers eingerichtet hatten, zusätzlich als Klassenzimmer zu nutzen. Kleinere Gruppen würden den Kindern mehr Raum geben und den Lehrerinnen ermöglichen, individueller auf unterschiedliche Lernstände einzugehen.
Vanja gab bereits grünes Licht für die Zwischennutzung des Raumes. Für die notwendige fünfte Lehrerin muss Borderfree jedoch zusätzliche Mittel aufbringen.
Genau darin zeigt sich auch, wie wir arbeiten wollen: Die Menschen, die jeden Tag mit den Kindern im Klassenzimmer stehen, sehen zuerst, was funktioniert und was fehlt. Ihre Erfahrungen und Vorschläge bestimmen mit, wie sich das Projekt weiterentwickelt.
Schule allein löst nicht alle Probleme
Die neue Schule ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit im Camp – aber nicht der einzige.
Die Familien, aus denen die Kinder stammen, kämpfen mit denselben Schwierigkeiten, die unseren Einsatz in der Bekaa-Ebene seit Jahren prägen: fehlender Zugang zu medizinischer Versorgung, geringe Einkommen und ein Alltag, in dem schon kleine zusätzliche Ausgaben zur Belastung werden können.
Deshalb verbindet Borderfree verschiedene Formen der Unterstützung.
Unsere mobile Klinik bringt medizinische Versorgung direkt zu Menschen, die sie sonst nur schwer erreichen könnten. Auch zahnmedizinische Behandlungen gehören zu unserer Arbeit vor Ort. Bei akuter Not unterstützen wir Familien zudem mit konkreter Direkthilfe und Verteilungen.
Ein paar Einblicke in die verschiedenen Formen der Borderfree-Unterstützung im Camp.
Die Schule ergänzt diese Arbeit um etwas, das sich nicht in einer einzelnen Behandlung oder einem Paket messen lässt: Zeit und Raum zum Lernen – und die Möglichkeit, Fähigkeiten für die eigene Zukunft aufzubauen.
Was jetzt fehlt
Die ersten Wochen haben uns gezeigt, dass der Bedarf grösser ist als angenommen.
Jetzt wollen wir dafür sorgen, dass die Schule mit den Kindern mitwachsen kann: mit ausreichend Schulmaterial, zusätzlichen Tischen und Stühlen und einer fünften Lehrerin.
Mit 50 Franken ermöglichen Sie Farbstifte und eine Schultasche für ein Kind.
Mit 200 Franken finanzieren Sie Bücher und Schulmaterial für eine Lerngruppe.
Mit 500 Franken übernehmen Sie den Monatslohn einer Lehrerin.
Vor wenigen Wochen standen die Kinder noch ungeduldig vor der Tür und fragten:
«Miss Vanja, wann geht es los?»
Jetzt ist die Tür offen.
Und wir möchten sie für noch mehr Kinder öffnen.
Gemeinsam sind wir Borderfree. 💜




Kommentare